Hannelore Nussbaum liest

Katrin Bölstler

Große Lyrik, entstanden im kleinen Dorf

Hannelore Nussbaum gibt Einblicke in das Leben und Wirken der Dichterin Maria Menz

Dieses Foto entstand am 90. Geburtstag von Maria Menz, die rechts im Bild zu sehen ist. Neben ihr sitzt Hannelore Nussbaum. (Foto: privat)

Oberessendorf sz „Es ist ein Glück, dass Hannelore Nussbaum zu Maria Menz gefunden hat. Ein Glück für uns, die ich die Maria-Menz-Gemeinde nennen möchte“. Diese Zeilen stammen von dem berühmten deutschen Schriftsteller Martin Walser – und sie lassen erahnen, welche besondere Beziehung Walser zu der Dichterin aus Oberessendorf hatte. Geschrieben stehen sie im Vorwort des Buchs „Die offene Tür – Begegnungen mit der Dichterin Maria Menz“. Darin beschreibt die Schussenriederin Hannelore Nussbaum, wie sie Maria Menz kennenlernte und peu à peu zu ihrer engsten Vertrauten wurde. Nussbaum stellt ihr Buch am Sonntag, 11. Juni, ab 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Oberessendorf vor. Darin gibt sie Einblicke in das Leben der introvertierten Künstlerin, die so lange in Oberessendorf lebte und die trotzdem nur so wenige gut kannten.

Tochter eines Landwirts

Die 1903 geborene Maria Menz war die älteste Tochter eines Landwirts aus Oberessendorf und so wenig für dieses Leben geeignet, wie man es zu dieser Zeit wahrscheinlich sein konnte. Intelligent und scharfsinnig, doch dafür schmal und wenig kräftig – für die harte Arbeit auf einem Hof so gar nicht geschaffen. Eine Laufbahn als Künstlerin stand ihr in jungen Jahren nicht offen. Stattdessen wurde sie Krankenschwester und verbrachte einige Jahre in Berlin, Leipzig und Wangen im Allgäu. 1942 erkannte sie, dass sie diesen Beruf nicht weiter ausüben konnte und kehrte in die Heimat zurück.

Bei ihrer Rückkehr in das gemeinsame Haus der Geschwister fühlte sie sich wie das fünfte Rad am Wagen“, erinnert sich Nussbaum. Maria Menz zog sich zurück in ihre Kammer und verbrachte die Tage mit Schreiben. Erst viele Jahre später wagte sie es, ihre Werke auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 64 Jahre war sie alt, als sie in Wangen im Allgäu beim Literarischen Forum Oberschwaben ihre erste öffentliche Lesung hielt. Aus dieser Zeit ist ein Zitat Walsers überliefert, der damals mit auf dem Podium saß: „Als ich diese Dichterin […] beim Oberschwäbischem Literatur-Forum lesen hörte, dachte ich: endlich einmal Pfingsten.“

Auftritt beim Literarischen Forum

Das Literarische Forum verhalf der Dichterin zum Durchbruch. Ihre Gedichte und Texte fanden große Anerkennung, erste Gedichtbände erschienen. Viele Preise und Auszeichnungen folgten, unter anderem der Johann-Peter-Hebel-Preis und das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.

Maria Menz und Hannelore Nussbaum lernten sich kennen, als die Dichterin bereits Mitte 80 war. Menz war dafür bekannt, wenig zugänglich zu sein. Zu Hannelore Nussbaum entwickelte sie jedoch eine enge, vertrauensvolle Bindung. Zuerst unterstützte die Schussenriederin die Künstlerin, indem sie Briefe für die ältere Frau abtippte.

Danach übernahm sie schrittweise immer weitere Aufgaben, kochte manchmal aushilfsweise und übernahm Botengänge. Nussbaum bekam so Einblicke in das Leben von Maria Menz, wie sonst wahrscheinlich niemand. Sie erlebte, wie die drei so unterschiedlichen Schwestern Beta, Josephine und Maria miteinander umgingen und bekam die neuen Gedichte als erste zu sehen. Trotz dieser großen Vertrautheit blieben die Frauen jedoch immer beim „Sie“. „Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, Maria Menz zu duzen, denn sie war für mich ein Idol und ein großes Vorbild“, erklärt Hannelore Nussbaum.

Acht Jahre zusammen verbracht

 

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